19.09.2010
16zu9, 3zu4 und andere suspekte Verhältnisse
Über die Seitenverhältnisse bei Präsentationen
Ein bei Präsentationen häufig vernachlässigter Aspekt ist das Seitenverhältnis. Verschiedene Geräte, seien es nun LCD-Computerbildschirme, Fernseher, Beamer oder Leinwände, haben unterschiedliche Seitenverhältnisse. Der Einfachheit halber nenne ich jetzt alle diese Geräte, inklusive der Leinwände „Bildgeräte“. Die Präsentationen, die auf diesen Bildgeräten gezeigt werden, haben auch ihr eigenes Seitenverhältnis. Stimmen nun das Seitenverhältnis von Bildgerät und Präsentation nicht überein, gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit dieser Ungleichheit zu leben, die allerdings allesamt Kompromisse sind. Diese Möglichkeiten werden im Laufe dieser Abhandlung aufgezeigt. Besser ist es jedoch, die Thematik zu verstehen und dafür sensibilisiert zu sein, um entweder die Präsentationen im für die zu verwendenen Bildgeräte richtigen Seitenverhältnis zu produzieren, oder für eine vorhandene Präsentation die richtigen Bildgeräte auszuwählen.
Historie
Früher, in der Zeit des Dias und des Overheadprojektors, war alles ganz einfach: Eine Leinwand hatte quadratisch zu sein, um hochformatige oder querformatige Dias und Folien gleichermaßen auflegen zu können. Ganz ausgebuffte Leute haben quadratische Superslides oder Mittelformatdias produziert, um die Leinwand ganz nutzen zu können. Mit den elektronischen Medien kamen dann die „anderen“ Formate. Video hatte anfangs ein Seitenverhältnis von 4:3, und versucht seit längerer Zeit penetrant den Durchbruch mit 16:9 durchzusetzen. Computerbildschirme gab es lange Zeit auch im Verhältnis 4:3, mit der S-XGA-Auflösung von 1024x1280 Pixeln wurde die Welt mit dem überflüssigen Format 5:4 bereichert und mit Plasma und LCD-Displays im Format 15:9 (NEC LCD 3000 und 4000) fragt man sich, ob die Japaner noch Batterien für Ihre Taschenrechner besitzen. Dann gibt es noch die Schöngeister, die DIN A4 oder US-Letter mit Seitenverhältnissen von 1:1,41 bzw. 1:1,3 für das einzig Wahre halten.
Wie sieht´s aus?
Was passiert nun eigentlich, wenn man eine Präsentation auf einem Bildgerät darstellt, welche unterschiedliche Seitenverhältnisse haben? Ganz einfach: Man nutzt die Fläche nicht voll aus. Und das sieht fast immer doof aus. Am ehesten sieht man es an Bildschirmen wie LCD-Monitoren oder Plasmas: Stellt man die Präsention größtmöglich dar, ohne etwas abzuschneiden oder das Bild zu verzerren, bleiben schwarze, nicht genutzte Flächen. Diese Flächen brüllen förmlich: „Hier hat einer nicht aufgepasst!“. Die zwei Möglichkeiten, die man hat, um diesen Fehler auszubügeln:
1.Die Präsentation gleichmäßig vergrößern, bis die ganze Bildfläche des Bildgerätes ausgefüllt ist. Dabei wird aber von dem Bild etwas abgeschnitten. In den meisten Fällen ist dies nicht möglich, weil informationsrelevante Bildteile verloren gehen.
2.Die Präsentation ungleichmäßig zu vergrößern, bis die ganze Bildfläche ausgefüllt ist. Dabei verzerrt man das Bild, zum Beispiel eine 4:3 Prästentation auf einem 16:9 Plasma wird einfach in die Breite gezogen. Jetzt ist nur die Frage, wie dick Ihr Fell ist, um eine solche Sache anzusehen. Denn: Jede Schrift wird automatisch zur gesperrten Ultrawide, Kreise werden eierig (wenn Ihr Firmenlogo einen Kreis oder runde Form enthält, fragen Sie doch mal Ihren Corporate-Design-Fachmann wie er die „Breitwand“-Version des Logos findet…), Quadrate werden zu Rechtecken und Gesichter bekommen ein unglaublich breites Grinsen. Spaß beiseite: Wenn man an der Präsentation nichts ändern kann oder kein anderes Bildgerät bekommt, muss man sich entscheiden, welche der drei Möglichkeiten (ungenutzte Fläche, abgeschnitten oder verzerrt) die mit dem geringsten Übel ist.
Präsentationen ändern
Eine konsequente aber zeitaufwändige Lösung ist die Anpassung der Präsentation. Am einfachsten ist dies bei Powerpoint-Charts. Gehen wir wieder von dem häufigsten Fall aus, Sie haben eine fertige 4:3 Powerpoint-Präsentation und wollen diese auf einem 16:9 Plasma zeigen. Vermutlich haben Sie die Präsentation in der Powerpoint Standardgröße von 18x24cm erstellt. Sie müssen die Präsentation jetzt „nur“ breiter machen indem Sie zum Beispiel einen Streifen auf der linken oder rechten Seite anbringen. Die Präsentation muss dann 18x32cm groß sein. Aber Vorsicht: Wenn Sie in Powerpoint das Seitenformat ändern, werden alle Elemente auch verzerrt. Das Ergebniss wäre ein furchtbares K
Kuddelmuddel, an dem Sie Stunden nacharbeiten müssten. Erstellen Sie besser eine neue, leere Präsentation auf Basis des gleichen Mastercharts in dem Format 18x32cm. Setzen Sie auf der Masterseite die entsprechende Ergänzung links oder rechts (hier könnte zum Beispiel prominent das Tagungsmotto stehen) und kopieren Sie den Inhalt jeder einzelnen Seite der ursprünglichen Präsentation und setzen Sie sie in die neue Präsentation ein.
Video im falschen Format
Schwieriger ist die Anpassung eines Videos an ein anderes Seitenverhältnis. Einen fertigen Film müsste man eigentlich neu im korrekten Format drehen, also komplett neu produzieren. Das kommt wohl kaum in Frage. Man kann dieses Problem recht leicht umschiffen, indem man den Film als MPEG digitalisiert und innerhalb von Powerpoint auf ein Chart mit dem richtigen Seitenverhältnis setzt. Mit der richtigen Gestaltung bekommt man jetzt auch Zusatzinformationen wie Logos, Slogans, Claims, Mottos etc. unter.
Richtige Bildgerätewahl
Ist die Präsentation schon fertig in einem bestimmten Seitenverhältnis, muss eigentlich nur noch das richtige Bildgerät dazu gewählt werden. Bei Beamern schauen Sie auf die Auflösung. Alle Auflösungen bis XGA (1024x768 Pixel) sind im Seitenverhältnis 4:3. Die Auflösung S-XGA (1280x1024) hat das Seitenverhältnis 5:4. Die neueren Auflösungen mit verschiedenen Bezeichnungen wie „Q-XGA“ (1400x1050) oder „U-XGA“ (1600x1200) sind wieder in 4:3.
Aufpassen muß man auch bei der Leinwand. Korrekterweise hat eine Leinwand einen schwarzen Rand, mit dem das Bild eingefasst wird. Dieser Rand sorgt durch eine optische Täuschung für einen visuell deutlich besseren Kontrast. Die Projektion muss immer bis zum Rand der Leinwand gehen. Deswegen muss auch die Leinwand im richtigen Seitenverhältnis sein. Das übliche Seitenverhältnis bei den weit verbreiteten Fast-Fold-Leinwänden ist 4:3. Eine 5:4 FastFold-Leinwand, außer eine Sonderanfertigung, habe ich noch nicht gesehen. Auch die 16:9-Leinwände sind sehr rar.
Wenn man auf die kontraststeigernde Wirkung des schwarzen Randes verzichtet, kann man auch eine große weiße Fläche als Leinwand verwenden, auf die man jedes beliebige Seitenverhältnis projizieren kann.
Bei Plasmabildschirmen ist die Wahl sehr eingeschränkt: Die meisten Geräte sind 16:9. Der in Deutschland und Europa sehr beliebte Hitachi CMP 307, der einzige grafikfähige Plasma im 4:3 Seitenverhältnis, wurde im Frühjahr 2003 überraschend aus der Produktion genommen. Obwohl sich dieses Gerät in Europa sehr gut verkaufte, waren die Stückzahlen weltweit zu gering, um die Produktion weiter fortzuführen. Sämtliche Neuentwicklungen im Plasma-Bereich und auch im großformatigen LCD-Bereich (30 und 40 Zoll) sind in 16:9 oder „fast“ 16:9 (die LCD3000 und LCD 4000 von NEC zum Beispiel haben ein SV von 15:9). Es gibt noch Plasma-Displays im Seitenverhältnis 4:3, diese haben allerdings nur eine geringe, für Video geeignete Auflösung.
Auf Grund des Produktangebotes bei Plasmas und großen LCDs ist bei den Präsentationen umdenken angesagt, und dies betrifft im wesentlichen das Messegeschäft, der Domäne von Plasma & Co: Die Agenturen und Kunden müssen sich jetzt endlich aufraffen, Präsentationen speziell im Format 16:9 zu erstellen und nicht vorhandenes Präsentationsmaterial im Strech-Modus zu zeigen. Dafür sind die Mietpreise der Plasmas einfach zu hoch.
Die Computermonitore wiederum sind schnell behandelt: Röhrenmonitore haben ein Seitenverhältnis von 4:3, aber wer benutzt heutzutage schon Röhrenmonitore? Bei den LCD-Displays gibt es momentan zwei Lager, abhängig von der Größe: 15“ TFTs haben XGA-Auflösung und damit 4:3, alle 17, 18, 20 und 21“ TFT-Bildschirme haben das eigentlich überflüssige Format 5:4 mit der Auflösung 1280x1024.
Auflösung = Seitenverhältnis? Nö.
Bei LCD-Computerbildschirmen und Plasma-Displays galt bisher immer, dass sich das Seitenverhältnis aus der Auflösung errechnen ließ. Es gibt aber auch Bildschirme, wie zum Beispiel der Sony PFM-42B2 mit einer Auflösung von 1024x1024 Pixeln. Dieses Gerät hat aber ein Seitenverhältnis von 16:9! Daraus folgt, dass die Pixel selbst nicht quadratisch wie üblich sind, sondern auch ein Seitenverhältnis von 16:9 besitzen. Das gleiche gilt für viele Plasmabildschirme, die 1280x768 Auflösung haben (also 15:9), aber trotzdem ein 16:9 Bild zeigen. Hier sind entweder die Pixel auch leicht rechteckig statt quadratisch, oder die Abstände der Pixel sind horizontal etwas größer als vertikal. Deswegen muss man bei der Beurteilung des Seitenverhältnisses immer vom sichtbaren Bild ausgehen, nicht vom Seitenverhältnis der Auflösung.
Mein Computer kann gar kein 16:9!!!
Bei den meisten Computer kann man gar keine Auflösungen im Breitbildformat einstellen, nur Auflösungen im Seitenverhältnis 4:3 oder 5:4. Was tun, wenn Sie dieses Bild auf einem 16:9 Plasmabildschirm darstellen wollen? Zunächst ist wichtig, dass Sie Ihre Präsentation auch im Seitenverhältnis 16:9 angelegt haben, bei Powerpoint beispielsweise in der Seitengröße 18x32cm. Stellen Sie jetzt die Bildschirmauflösung Ihres Computers so ein, dass die horizontale Pixelanzahl gleich oder fast gleich der Auflösung des Plasmas entspricht. Wenn der Plasmabildschirm also eine Auflösung von 1360x768 Pixeln hat, stellen Sie einfach auf Ihrem Computer 1280x1024 Pixel Auflösung ein. Wenn Sie nun Ihre Präsentation im Vollbildmodus anschauen, haben Sie auf dem Computerbildschirm oben und unten schwarze Balken. Auf dem Plasmabildschirm schalten Sie jetzt zwischen den drei oder vier möglichen Formatanpassungen um: Normal/Full/Zoom (so heißt es bei NEC) oder Dot-by-Dot, Full, 4:3 und Partial (so die Bezeichnungen bei Pioneer). Bei einer dieser Einstellungen haben Sie die richtige, vollformatige Darstellung Ihrer Präsentation. Bei modernen Plasmabildschirmen ist auch die Interpolation, also die Skalierung des Eingangssignales auf die Auflösung des Plasma-Panels, so gut, dass man nicht unbedingt die exakt gleiche Auflösung bei Computer und Plasma einstellen muß.

Na, was würde die CI-Abteilung wohl hierzu sagen?

Wiedergabe verschiedener Motive auf 16:9 Monitoren und Bildgeräten: 16:9 Motiv. Passt.

4:3 Motiv im "Normal"-Modus: Ungenutzte Flächen links und rechts.

4:3 Motiv im "Full"-Modus: Komplette Fläche genutzt, aber verzerrtes Bild

4:3 Motiv im Zoom-Modus: Komplette Fläche genutzt, nicht verzerrt aber oben und unten abgeschnitten

Interessant: 4:3 Motiv im "Stadium"-Modus (bei NEC). Hier wird die Mitte fast unverändert gelassen, die Aussenbereiche werden in die Breite gezogen.

4:3 Motiv auf 4:3 Bildschirm: passt.

16:9 Motiv auf 4:3 Bildschirm: passt nicht.