16zu9, 4zu3 und andere suspekte Verhältnisse
Über die Seitenverhältnisse bei Präsentationen
Ein bei Präsentationen häufig vernachlässigter Aspekt ist das Seitenverhältnis. Verschiedene Geräte, seien es nun LCD-Computerbildschirme, Fernseher, Beamer oder Leinwände, haben unterschiedliche Seitenverhältnisse. Der Einfachheit halber nenne ich jetzt alle diese Geräte, inklusive der Leinwände „Bildgeräte“. Die Präsentationen, die auf diesen Bildgeräten gezeigt werden, haben auch ihr eigenes Seitenverhältnis. Stimmen nun das Seitenverhältnis von Bildgerät und Präsentation nicht überein, gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit dieser Ungleichheit zu leben, die allerdings allesamt Kompromisse sind. Diese Möglichkeiten werden im Laufe dieser Abhandlung aufgezeigt. Besser ist es jedoch, die Thematik zu verstehen und dafür sensibilisiert zu sein, um entweder die Präsentationen im für die zu verwendeten Bildgeräte richtigen Seitenverhältnis zu produzieren, oder für eine vorhandene Präsentation die richtigen Bildgeräte auszuwählen.
Historie
Früher, in der Zeit des Dias und des Overheadprojektors, war alles ganz einfach: Eine Leinwand hatte quadratisch zu sein, um hochformatige oder querformatige Dias im Seitenverhältnis 3:2 und Folien im DIN-Format gleichermaßen auflegen zu können. Ganz ausgebuffte Leute haben quadratische Superslides produziert, um die Leinwand ganz nutzen zu können. Mit den elektronischen Medien kamen dann die „anderen“ Formate hinzu. Video hatte anfangs ein Seitenverhältnis von 4:3, seit 2007 ist 16:9 im TV-Bereich Standard. Computerbildschirme gab es lange Zeit nur im Verhältnis 4:3, später kam mit der S-XGA-Auflösung 5:4 hinzu. Heute sind 16:9 aber auch 16:10 (Auflösung 1920x1200 Pixel) gebräuchlich. Dann gibt es noch die Schöngeister, die DIN A4 oder US-Letter mit Seitenverhältnissen von 1:1,41 bzw. 1:1,3 für das einzig Wahre halten. Sie merken: Es gibt eine große Vielfalt...
Wie sieht´s aus?
Was passiert nun eigentlich, wenn man eine
Präsentation auf einem Bildgerät darstellt, welche unterschiedliche
Seitenverhältnisse haben? Ganz einfach: Man nutzt die Fläche nicht voll aus.
Und das sieht fast immer doof aus. Am ehesten sieht man es an Bildschirmen wie
LCD-Monitoren oder Plasmas: Stellt man die Präsention größtmöglich dar, ohne
etwas abzuschneiden oder das Bild zu verzerren, bleiben schwarze, nicht
genutzte Flächen. Diese Flächen brüllen förmlich: „Hier hat einer nicht
aufgepasst!“. Ausserdem ist das verbleibende Bild häufig zu klein und damit
unleserlich.
Sie haben nun drei Möglichkeiten mit dieser Situation umzugehen:
- Sie belassen es dabei und zeigen Ihre Präsentation mit schwarzen Balken (bei Displays) bzw. ungenutzter Leinwandfläche. Möglicherwise sind dadurch Ihre Inhalte nicht groß genug um für alle lesbar zu sein.
- Sie vergößern die Präsentation gleichmäßig bis die ganze Bildfläche des Bildgerätes ausgefüllt ist. Dabei wird aber von dem Bild etwas abgeschnitten. In den meisten Fällen ist dies nicht möglich, weil informationsrelevante Bildteile verloren gehen.
- Sie vergößern die Präsentation ungleichmäßig, bis die ganze Bildfläche ausgefüllt ist. Dabei verzerrt man das Bild, eine 4:3 Prästentation auf einem 16:9 Plasma wird zum Beispiel einfach in die Breite gezogen. Jetzt ist nur die Frage, wie dick Ihr Fell ist, um eine solche Sache anzusehen. Denn: Jede Schrift wird automatisch zur gesperrten Ultrawide, Kreise werden eierig (wenn Ihr Firmenlogo einen Kreis oder runde Form enthält, fragen Sie doch mal Ihren Corporate-Design-Fachmann wie er die „Breitwand“-Version des Logos findet…), Quadrate werden zu Rechtecken und Gesichter bekommen ein unglaublich breites Grinsen. Spaß beiseite: Wenn man an der Präsentation nichts ändern kann oder kein anderes Bildgerät bekommt, muss man sich entscheiden, welche der drei Möglichkeiten (ungenutzte Fläche, abgeschnitten oder verzerrt) die mit dem geringsten Übel ist.
Präsentationen ändern
Eine konsequente aber zeitaufwändige Lösung ist
die Anpassung der Präsentation. Am einfachsten ist dies bei Powerpoint-Charts.
Gehen wir wieder von dem häufigsten Fall aus, Sie haben eine fertige 4:3
Powerpoint-Präsentation und wollen diese auf einem 16:9 Plasma zeigen.
Vermutlich haben Sie die Präsentation in der Powerpoint Standardgröße
"Bildschirmpräsentation (4:3)", 25,4x19,05cm erstellt. Sie müssen das
Papierformat im Menupunkt "Seite einrichten" nur auf "Bildschirmpräsentation (16:9)"
ändern, dann haben Sie alle Charts jetzt in 16 zu 9.
Aber Vorsicht: Wenn Sie in Powerpoint das Seitenformat ändern, werden alle Bild- und Grafikelemente verzerrt! Sie müssen jede Folie und jedes Element kontrollieren und gegebenenfalls ändern. Bei 16:9-Folien ist ein 2-spaltiges Gestaltungsraster häufig besser als ein 1-spaltiges, welches meist in 4:3-Charts verwendet wird. Deswegen müssen häufig die Folien grundsätzlich umgestaltet werden um ein akzeptables Aussehen zu bekommen.
Einen Kompromiss mit überschaubarem Zeitaufwand stellt folgende
Methode dar:
Kopieren Sie den Inhalt jeder einzelnen 4:3-Folie per Copy-Paste
in neue, leere 16:9-Folien: dabei wird nichts verzerrt. Die resultierende leere
Fläche kann dann Logos, Tagungsmotto oder ähnlichem gefüllt werden, am besten
bereits in der Masterfolie. Wichtig bei dieser Methode ist das die Seitenhöhe
der 4:3-Präsentation und der 16:9-Präsentation gleich ist. Natürlich funktioniert dies auch anders herum von 16:9 nach 4:3.
Video im falschen Format
Schwieriger ist die Anpassung eines Videos an
ein anderes Seitenverhältnis. Einen fertigen Film müsste man eigentlich neu im
korrekten Format drehen, also komplett neu produzieren. Das kommt wohl kaum in
Frage. Eine einfachere Methode ist die sonst schwarzen Flächen mit Farbe oder
Grafik zu füllen. Oder man füllt diese Fläche mit einer unscharfen Vergrößerung
des eigentlichen Filmes auf oder verwendet einen anderen stilisierten Hintergrund.
Richtige Bildgerätewahl
Ist die Präsentation schon fertig und damit auch das Seitenverhältnis festgelegt, muss eigentlich nur das Bildgerät mit dem gleichen Seitenverhältnis dazu gewählt werden. Bei Beamern schauen Sie auf die Auflösung:
Seitenverhältnis 4:3:
- 1024x768 Pixel (XGA)
- 1400x1050 Pixel (SXGA+)
Seitenverhältnis 16:9
- 1280x720 Pixel
- 1920x1080 Pixel (Full HD)
Seitenverhältnis 16:10
- 1280x800Pixel (WXGA)
- 1920x1200 Pixel (W-UXGA+)
Andere Seitenverhältnisse: Die Auflösung S-XGA (1280x1024) hat das Seitenverhältnis 5:4, kommt aber bei Beamern kaum noch vor. Die neuen hochauflösenden und ultrahochauflösenden Formate 2K (2048x1080)und 4K(4096x2160) haben Seitenverhältnisse für die es keine griffigen Zahlen gibt. Diese Auflösungen werden auch erst in ein paar Jahren in der Veranstaltungsszene Relevanz haben.
Leinwände
Aufpassen muss man auch bei der Leinwand. Korrekterweise hat eine Leinwand einen schwarzen Rand, mit dem das Bild eingefasst wird. Dieser Rand sorgt durch eine optische Täuschung für einen visuell deutlich besseren Kontrast. Die Projektion muss immer bis zum Rand der Leinwand gehen. Deswegen muss auch die Leinwand im richtigen Seitenverhältnis sein. Das übliche Seitenverhältnis bei den weit verbreiteten Fast-Fold-Leinwänden ist 4:3 oder 16:9. Wenn man auf die kontraststeigernde Wirkung des schwarzen Randes verzichtet, kann man auch eine große weiße Fläche als Leinwand verwenden, auf die man jedes beliebige Seitenverhältnis projizieren kann.
Flachbildschirme
Bei Flachbildschirmen ist die Auswahl an Seitenverhältnissen einfacher: Fast jedes großformatige Display über 30" haben ein 16:9 Seitenverhältnis bei Full-HD-Auflösung. Große 4:3 Displays gibt es schlicht nicht. Lediglich bei den Computerdisplays im Bereich von 18 bis 24Zoll sind diese noch anzutreffen, ansonsten ist auch hier der Trend zu 16:9 und 16:10.
Fazit:
Stimmen Sie das Format Ihrer Präsentationen mit den verwendeten
Beamer, Leinwände und Displays aufeinander ab und nutzen Sie immer die volle
verfügbare Fläche komplett. Tun Sie das nicht, müssen Sie sich für eine der
drei Kompromissen entscheiden: Abschneiden, Verzerren oder schwarze Balken bzw. nicht genutzte Bildfläche. Sie müssen
sich für das kleinste Übel in Ihrer jeweiligen Situation entscheiden, eine
pauschal richtige Vorgehensweise gibt es nicht. Präsentationen für große
Flachbildschirme erstellen Sie auf jeden Fall in 16:9, denn alle Displays haben
dieses Format. Es ist auf jeden Fall sinnvoll Chart-Templates für 4:3 und 16:9
zur Verfügung zu haben, denn meist ist die Wahl zwischen diesen beiden
Seitenverhältnissen.
Na, was würde die CI-Abteilung wohl hierzu sagen?
Wiedergabe verschiedener Motive auf 16:9 Monitoren und Bildgeräten: 16:9 Motiv. Passt.
4:3 Motiv auf 16:9 Display. Version 1: Ungenutzte Flächen links und rechts.
4:3 Motiv auf 16:9 Display. Version 2: Komplette Fläche genutzt, aber verzerrtes Bild
4:3 Motiv auf 16:9 Display. Version 3: Komplette Fläche genutzt, aber oben/unten abgeschnitten
4:3 Motiv auf 4:3 Bildschirm: passt.
16:9 Motiv auf 4:3 Bildschirm: passt nicht.







